• Vanessa Elleder

A…wie Autorinnenleben

Aktualisiert: vor 6 Stunden





Wie stellst du dir das Leben eines Autors oder einer Autorin vor?

Sitzt er/sie an einem Mahagonitisch mit Gleitsichtbrille, trinkt Earl Grey, tippt an der klackernden Schreibmaschine und liest in den Pausen Goethe und Schiller? Möglicherweise arbeitet er/sie nächtelang durch und fällt in einen Wahn? Drückt er/sie sich womöglich nur sehr gewählt aus in seinem/ihrem Milieu und trinkt Cognac am prasselnden Kaminfeuer während ein Buch unter seinem/ihrem Arm klemmt?


Halt, stopp! Nein, so nicht.


Nur um AutorIn zu sein, musst du nicht irgendwelchen veralteten Stereotypen und Klischees entsprechen, das war nicht gestern, sondern vorvorvorgestern. Heute entscheidest ganz allein du wer du bist und wer du sein willst. Egal was andere sagen, zieh dein Ding durch. Vor allem, wenn es ums Schreiben geht.


In meiner ersten Blogbeitrag bei "Von A bis Z rund ums Schreiben" mit dem Buchstaben A möchte ich dir anhand von den 7 W Fragen einen Einblick in mein Autorinnenleben geben und vielleicht hilft es dir auf deinem Weg.


1. Wer?

Mein Name ist Vanessa Elleder, ich komme aus Österreich und arbeite als Ärztin. Mein Autorinnendasein ist meine Leidenschaft, meine Kreativitätsnische. In der Medizin ist nur wenig Platz für Kreativität, hier zählt die wissenschaftsbasierte Medizin und der Mensch und das ist auch gut so. Das Schreiben ist für mich ein Ausgleich, ein intensives Hobby, dem ich gerne all meine Zeit widme.



Ob das unkonventionell ist? Klar, aber wer sagt, dass das nicht geht? Genau wie beim AutorInnendasein gibt es beim ÄrztInnendasein eine gewisse Vorstellung, der man nicht entsprechen muss. Ich liebe meinen Beruf, ich habe hart dafür gearbeitet um das zu erreichen, was nicht heißen muss, dass ich das Schreiben nicht genauso sehr lieben kann.


Vielleicht bist du StudentIn oder frisch gebackene Mama/Papa oder Vollzeit berufstätig so wie ich? Um AutorIn zu sein, musst du nur schreiben, egal wo du im Leben stehst, wer du bist oder wie alt du bist und es muss dir wichtig genug sein, Zeit zu investieren.


2. Was?

Ich schreibe am liebsten Fantasygeschichten. Derzeit arbeite ich am zweiten Manuskript einer Fantasytrilogie und suche für den ersten Teil eine Veröffentlichungsweg. Ich lese und schreibe aber auch gerne Liebesromane und Thriller – von beidem gibt es etwas in meiner Schublade an denen immer wieder gearbeitet wird. Mehr dazu auf meiner Homepage unter Buchprojekte.

Begonnen habe ich mit dem Schreiben schon als Kind mit Geschichten, die ich in der Schule schreiben musste, diese wurden immer besonders lang und ausgefallen. Als andere Tagebuch geschrieben haben, habe ich als Jugendliche Unmengen an Gedichten verfasst. In dieser Zeit kam mir auch das erste Mal der tatsächliche Wunsch ein Buch zu schreiben. Tja, hat dann lange gedauert, aber ich wusste damals einfach nicht wie ich die Sache angehen sollte (Idee – Figuren – Plot – Schreiben)



Schreibe zuerst einmal nur für dich und denk nicht daran, dass es jemand lesen muss, du gehst dann manchmal Wege, die dich in eine neue Richtung führen – äußere Einflüsse lenken dich vielleicht in eine ungewollte Richtung.


Du bist ein großer starker harter Mann und möchtest eine kitschige Schnulze schreiben? Du bist Mutter und möchtest einen Psychothriller schreiben über einen Serienkiller, der Frauen und Kinder auf dem Gewissen hat? Dann tu es, lass dich nicht von Stereotypen (die ich selber gerade ironischerweise verwende) abhalten, sondern probiere dich aus und schreib drauf los!


3. Wann?


Diese Frage kriege ich am häufigsten gestellten. Klar ist es schwierig mit einem Fulltime Job, aber hast du mal überlegt wie viele Stunden man auf der Couch hockt und Netflix schaut - Stichwort Zeitmanagement! Sich vielleicht das dritte Mal im Bett umdrehen an einem Sonntag obwohl es schon 10 Uhr ist? Das sind die Stunden, in denen ich meine Zeit lieber dem Schreiben widme – wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!





Viele Kolleginnen sind Mütter – das Baby schläft – Schreibzeit an, die Mittagspause hat noch zwanzig Minuten – paar Notizen am Handy, lange Zug/Busfahrt – im Notizbuch wird geplottet, am Tag finden sich genügend zeitliche Möglichkeiten, du musst sie nur nutzen!


Du wirst sehen, wenn du mal im Schreibprozess drinnen bist und den Flow spürst, dann läuft das Manuskript viel besser, als wenn du einmal sechs Stunden daran sitzt und zwei Wochen wieder nicht, da muss ich erst mal wieder alles vorher lesen, bevor ich wieder ins Schreiben kommen kann.


4. Wo?

Um regelmäßig zu schreiben empfiehlt es sich eine gewisse Schreibroutine anzulegen. Tasse Tee/Kaffee/Kakao, Lieblingsplaylist, Schreibplatz (Tisch, Couch, Sessel, Bett, Terrasse, Garten) – du kannst überall schreiben, aber du wirst nicht überall gleich produktiv sein können.


Bei mir gibt es eine gewisse Atmosphäre: Mein Mann ist zu Hause und ist selbst mit etwas beschäftigt und lässt mich in Ruhe arbeiten, meine Musik läuft und ich hab ein heißes Getränk neben mir, habe super gemütliche Kleidung an inklusive warmer Socken und trage meine Brille (mit Kontaktlinsen trocknen meine Augen aus bei langer Bildschirmarbeit) und sitze im Schneidersitz am Esstisch mit Blick hinaus auf die begrünte Terrasse…am Foto ist es schon dunkel draußen.


Vielleicht hast du auch so eine gewisse Stimmung, ein Ambiente, das dich beflügelt…überleg mal, wo du am besten schreibst! Stephen King ist alleine in seinem Arbeitszimmer, das käme für mich nicht in Frage, da muss man sein eigenes Ding finden und das kommt mit der Zeit von selbst!


Fürs Plotten, Figuren entwerfen und Überarbeiten bin ich viel flexibler, nur das erste Erschaffen sollte idealerweise in dieser perfekten Atmosphäre sein.


5. Wie?

Wie schreibe ich? Kurz oben angemerkt: Idee, Figuren, Plot, Schreiben. Auch hier kannst du dir die 7 W Fragen stellen, um dein Buchprojekt entstehen zu lassen.


Du brauchst eine Grundidee: verlieben sich zwei Menschen, wird es ein Abenteuer, decken sie einen Mord auf oder ist ein intergalaktischer Mord in dem sich auch noch zwei Menschen verlieben? Für den Beginn empfiehlt sich einem Genre treu zu bleiben, das ist aber nicht verpflichtend.


Deine Idee steht – wer soll mitspielen? Wer ist deine Hauptfigur? Wer ist dein Gegenspieler? ProtagonistIn und AntagonistIn?


Schreibe die grobe Handlung auf – plotte! Das ist der größte Fehler, den man begehen kann (so wie ich), weil ich dachte, ich bin ein reiner Bauchschreiber (Pantser), aber das führt meist zu planloser Schreiberei. Ich plane nicht so detailliert, damit ich mich noch selbst mit Wendungen überraschen kann und der Plot ist ja nicht in Stein gemeißelt, aber es hilft ungemein.


Und dann: schreibe! Du wirst noch so oft umarbeiten, umschreiben, streichen, hinzufügen, wieder löschen etc. bis dir eine Version gefällt…ich hadere mit dem Anfang meiner Geschichten immer, zuerst finde ich ihn gut und dann wieder grottenschlecht…


6. Warum?

Leichte Frage, weil ich das Schreiben liebe und es mir Spaß macht. Aber es gibt einen weiteren Grund. Ich möchte andere mit meinen Geschichten verzaubern, sie in Welten eintauchen lassen, die einen mitreißen und die einen berühren. Und wenn es nur ein einzelner Leser oder Leserin ist – ich freue mich, wenn ich das vermitteln konnte.


7. Wozu?

Wozu widme ich mich einem solch intensiven und zeitaufwendigen Hobby? Wegen Geld? Prestige? Wohl kaum, denn beides ist für Einsteiger ein unrealistischer und vor allem der falsche Anreiz.


Klar, welcher Autor und welche Autorin träumt nicht davon, dass die Welt ihre Bücher in den Händen hält und verschlingt? Aber jeder Traum kann auch wahr werden und wer aufgibt, hat schon verloren. Dranbleiben mit Konsequenz, Vehemenz und Durchhaltevermögen!

Hier schneide ich das Thema Brotjob an, ein Ausdruck, den ich nicht gerne verwende, denn meinen Arztberuf sehe ich nicht als solchen. Ich bin froh und dankbar, dass ich ein geregeltes Einkommen habe, das nimmt mir den Druck vom Schreiben leben zu müssen. Darunter würde wohl meine Kreativität leiden als Autorin am Anfang der Schreiblaufbahn.


Die AutorInnen, die schon länger im Geschäft sind müssen sich da keine bzw. weniger Sorgen machen, sie haben sich schon etwas aufbauen können.

Das schafft man aber nur mit Konsequenz, Vehemenz und Durchhaltevermögen!


Tschau, tschau,

eure






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