• Vanessa Elleder

D wie...Dialoge

Aktualisiert: Okt 28


Gute Dialoge schreiben in 5 einfachen Schritten!


Dialoge sind das Salz in der Suppe, zu wenig - schlecht, zu viel - schlecht, also es kommt auf die Dosis an und vielleicht auch auf die Art, wie man streut...







1. Sprache


Jeder Mensch hat eine gewisse Art zu reden, wenn man monotone Typen erstellen will, wie es vielleicht in einer Dystopie oder bei Robotern in einem Science-Fiction-Roman passend wäre, dann könnte Folgendes auch gut sein.

"Was machst du?", fragte sie.

"Ich sehe etwas auf dem Mobiltelefon nach", antwortete er.

"Was recherchierst du denn?", fragte sie.

"Nichts Besonderes", sagte er.

"Dafür, dass es nichts Besonderes ist, wirkst du aber ziemlich beschäftigt. Hat sie dir eine Textnachricht gesendet?", fragte Tara.

"Von wem sprichst du?", wollte Ben wissen.

"Ich meine die andere Frau, die du kennst", erklärte sie.

"Darüber haben wir schon gesprochen und ich finde, dass jetzt kein guter Zeitpunkt ist, was meinst du?", schlug Ben vor.

Halleluja, wenn jede Kommunikation in der Realität so abläuft, dann gäbe es weniger Scheidungen... aber mal ehrlich: wer redet denn so? Die Szene hat doch einen gewaltigen Stock im Ars**... oder gehört in einen der oben genannten Genres.


Das hat einen einfachen Grund: jede Figur hat eine gewisse Art zu sprechen je nach Alter, Herkunft, Bildung, sozialem Hintergrund. Wie eben angeführt, hätten vielleicht Menschen im 16. Jahrhundert so gesprochen, wobei die kein Handy hatten und Fremdgehen vermutlich auch kein Tabuthema war.

Sei es wie es sei, das können wir besser.

Schreiben wir es so, wie sich ein junges Durchschnittspärchen in der Jetztzeit vielleicht unterhalten würde.

"Was machst du?", fragte sie.

"Ich guck was auf dem Handy nach", antwortete er.

"Aha...und was?"

"Nix."

"Aber du tust ja was, schreibt sie dir wieder?", fragte sie.

"Wer?"

"Frag nicht so blöd, du weißt wer..."

"Jetzt fängst du wieder damit an?"

Wirkt doch gleich natürlich, oder?

Nur aus dem Dialog weiß man, dass es sich um ein eher jüngeres Pärchen handelt.

2. Text und Subtext


Was hat die Figur zu sagen - was sagt sie dann wirklich, was meint sie und was sagt sie eben nicht?

So etwas weiß ich erst, wenn die Figur gut durchdacht und ausgereift ist.

Beispiel:


"Was machst du?", fragte sie.

"Ich guck was auf dem Handy nach", antwortete er.

"Aha...und was?"

"Nix."

"Aber du tust ja was, schreibt sie dir wieder?", fragte sie.

"Wer?"

"Frag nicht so blöd, du weißt wer..."

"Jetzt fängst du wieder damit an?"

Analysieren wir dieses Beispiel:

(Wenn du den Subtext ohnehin verstanden hast, kannst du den nächsten Absatz auch überspringen.)

1. Rede: Sie weiß eigentlich schon, was er macht und es nervt sie, sie möchte aber nicht gleich zickig sein und beginnt gewollt neutral.

2. Rede: Er weiß schon, dass sie ein Problem hat und möchte einfach keinen Ärger und spezifiziert sein Tun nicht, in der Hoffnung, dass sie sich damit zufrieden gibt.

3. Rede: Sie kann nicht aus ihrer Haut und muss es genau wissen, sie fragt noch mit einer offener Frage, doch eine Suggestion scheint ihr auf der Zunge zu liegen, die Diskussion ist noch nicht beendet.

4. Rede: Er sieht worauf es hinausläuft, ein Hauch passive Aggressivität schwingt in seiner kurzen knappen Antwort mit. (man stellt sich bestimmt vor, wie er nicht dabei aufsieht, oder?)

5. Rede: Sie deklariert noch einmal sein offensichtliches Tun und die Frage, die ihr seit Anfang an in den Sinn kam, platzt nun heraus und sie unterstellt ihm etwas.

6. Rede: Er reagiert wieder gelassen, sei es, weil er es wirklich nicht weiß, oder weil er durch seine Beiläufigkeit versucht die Situation zu retten.

7. Rede: Sie ist nun wütend und beginnt ihn zu beschimpfen, ihre Ungeduld und Ärgernis über seine Gelassenheit bringt sie auf die Palme.

8. Rede: Jetzt reißt ihm auch der Geduldsfaden, diesen Streit führen sie offenbar nicht zum ersten Mal.

Okay, so viel zum Subtext und "Zwischen den Zeilen"

3. Handlung:


Was kann man hier noch verbessern? Man könnte hier ein Handeln und eine Beschreibung dessen hineinfließen lassen, so wirkt es natürlicher.

Wir reden ja auch nicht und sitzen steif da - während des Gesprächs tun wir meistens etwas.


"Was machst du?", fragte sie und beobachtete ihn von der Seite während er auf seinem Mobiltelefon herumtippte.

"Ich guck was auf dem Handy nach." Seine Daumen schrieben eine Nachricht, so viel war klar. Aber wenn sie nun weiter nachhakte, war sie garantiert wieder die Zicke. Tara biss sich auf die Lippe.

"Aha...und was?"

"Nix", sagte er ohne vom Display aufzusehen. Die Antwort kam nach ihrem Geschmack viel zu schnell.

"Aber du tust ja was, schreibt sie dir wieder?" Sie reckte ihren Nacken, erkannte aber nicht was in der WhatsApp Nachricht geschrieben stand.

"Wer?" Ben drückte die Seitentaste und das Handy wurde gesperrt. Er blickte sie unentwegt an. Wenn er nun glaubte, dass er mit seinem Hundeaugenblick davonkommt, dann hatte er sich geschnitten.

"Frag nicht so blöd, du weißt wer..."

Mit einem Satz war er auf den Beinen und Tara wusste, damit war der Fernsehabend dahin.

Er schlug die Hände über den Kopf zusammen. "Jetzt fängst du wieder damit an?!"

Interessant wird es jetzt noch mit auktorialem Erzähler aus seiner Sicht:

"Was machst du?" Tara hatte wieder genau diesen Tonfall, der ihn letzte Woche fast zum Auszug aus der Wohnung gebracht hatte.

"Ich guck was auf dem Handy nach." Er tippte noch schnell die Nachricht zu Ende und dann war Feierabend. Ab zwanzig Uhr las er üblicherweise keine Arbeitsnachrichten mehr, aber diese war wichtig. Seine Kollegin musste den Pitch vorbereiten, daran hing auch sein Job.

"Aha...und was?", fragte sie.

"Nix." Jetzt war gleich alles erledigt und er konnte den Fernsehabend mit Tara genießen. Er fing nun bestimmt keine Diskussion mit ihr an.

"Aber du tust ja was, schreibt sie dir wieder?", fragte sie.

"Wer?" Wovon faselte sie? Sein Handy hatte er noch in den Flightmode gestellt und damit packte er es weg.

Tara stierte ihn an. "Frag nicht so blöd, du weißt wer..."

Das hielt er nicht aus. Gerade wollte der das gemeinsame Wochenende starten und dann kam sie mit der alten Geschichte?

"Jetzt fängst du wieder damit an?!"

Interessant, interessant...zu einem Streit gehören eben immer zwei dazu...;-)

4. Konflikte:

Bringt der Dialog die Handlung voran? Falls er es nicht tut, baue vielleicht einen Konflikt ein, so wie im Beispiel oben angegeben.


Niemanden interessiert, ob der Herr Müller den Herrn Bauer fragt, ob es ihm gut gehe (bringt die Handlung nicht voran). Bevor wir den Herrn Müller etwas derartig Unnötiges fragen lassen, bleibt er lieber stumm. Außer vielleicht er wüsste warum es ihm möglicherweise nicht gut gehen könnte, weil er es war, der den Traktor manipuliert hat, der jetzt nicht anspringt...(Konfliktsituation).

5. Achte auf die Zeichensetzung


"Nix", sagte er.

--> Kein Punkt in der wörtlichen Rede.

"Nix." Jetzt war gleich alles erledigt und er konnte den Fernsehabend mit Tara genießen.

--> Hier kommt ein Punkt in der wörtlichen Rede.



Vermeide Adverben...

Zitat von Stephen King: "The road to hell is paved with adverbs..." und er macht den Vergleich mit Löwenzahn in der Wiese - einer ist schön, mehrere sind Unkraut.

Diese Feinheit der Dialoge kann ich oft erst nach mehreren Überarbeitungen erreichen, also nicht verzagen! Manchmal poppt aber eine Szene in meinem Kopf auf, die wie ein Film abläuft und da weiß ich ganz genau, wer was wie sagt und auch warum.


Viel Erfolg und viel Spaß beim Schreiben!


Tschau, tschau,

eure






"Von A bis Z rund ums Schreiben", D wie...Dialoge



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