• Vanessa Elleder

Die Seele und ein Frosch

Aktualisiert: vor 7 Stunden

Wie man zweimal in einem Dorf Umziehen kann, das nicht einmal hundert Einwohner hat und praktisch nur aus zwei Straßen besteht? Das gibt's, das geht und ist mir passiert. Und irgendwie bleibt bei jedem Umzug ein kleines Stück der Seele in den drei Häusern zurück, klingt zwar albern, aber so habe ich das empfunden.

Mein wunderschönes vom Papa erbautes Puppenhaus muss zurückbleiben, ich bin ja schon zu alt dafür. Der Blick aus dem lichtdurchfluteten Küchenfenster über den halben Ort wird ersetzt durch eine ebenerdige Küche, in der eigentlich immer die Deckenlampe an war. Dafür war ich nun im Nu im Garten direkt vor der Haustür.

Das lange Haar einer Trauerweide, das bis zum Boden reichte, ist für mich das Highlight. Ich fühl mich wie eine Prinzessin, die durch seidene Vorhänge schwebt. Das war übrigens auch die Zeit, in der ich verstehen musste, dass ich niemals eine Adelige sein werde, außer ich finde einen Prinzen. Fein wäre, wenn das die Eltern einfach arrangiert hätten. Na da hätten die Freunde im Kindergarten geschaut, wenn ich auf einmal ein Krönchen auf hätte. Doch gefunden hab ich nur einen Frosch im Garten, die waren hier beheimatet. Ich hab sie gern in meiner Hand gehalten, aber hab mich nie getraut ihnen ein Bussi zu geben. So sehr wollte ich dann doch nicht einem Königshaus angehören.

Dann hör' ich ein nervöses unaufhörliches Vogelgezwitscher. Ich mach' mich auf die Suche danach und finde ein Küken, allein und schutzlos. Meine Mama hat es dann mit reingenommen und wir haben es aufgezogen. Gefüttert und geliebt mit allem drum und dran. Morgens fliegt der Bert raus in die Freiheit und am späten Nachmittag noch vor der Dämmerung haben wir ihn gerufen und er landet zwitschernd auf der Hand. Drinnen durfte er noch bisschen umherflattern, aber er hat so viel Dreck gemacht. Mit der Zeit kommt er seltener und irgendwann ist er weg.

Die Eltern haben auf demselben Grundstück ein neues größeres Haus hingebaut. Da sind wir eingezogen und ich hab mich gefreut wieder im Stock zu wohnen, der Garten bleibt der gleiche. Beim Küche umsiedeln wird dann auch der restliche Vogeldreck vom Bert auf den Hängeschränken entfernt, der sich ins Holz eingefressen hatte.

Mein neues Zimmer bekommt auch neue Möbel, das ist aufregend. Und mein Schreibtisch steht vor dem Fenster mit Blick auf den Wald. Unzählige Stunden hab ich auf diesem Platz verbracht bis ich ausgezogen bin. Jede Jahreszeit kann ich an den Bäumen ablesen. Ich sehe, ob die Vögel hoch oder tief fliegen und ob sich Wolken anbahnen.

Und irgendwie sitzt ein Teil von mir immer noch dort, wenn ich schreibe.




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